Knieschmerzen: Was dahinter steckt & was hilft

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Knieschmerzen können kurz- und langfristig sehr unangenehm sein. Von allen Gelenken des Körpers wird das Knie täglich am meisten belastet. Schon kleine Störungen können dabei spürbare Folgen haben. Knieschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparats und das über viele Altersgruppen hinweg.
Warum Knieschmerzen so häufig sind
Als größtes Gelenk des Körpers verbindet das Knie Ober- und Unterschenkel. Es trägt den Großteil unseres Körpergewichts und muss beim Gehen, Laufen oder Treppensteigen hohe Kräfte aushalten. Das kann auf Dauer belasten und macht das Knie besonders anfällig für Verschleiß (Arthrose).
Knieschmerzen sind weit verbreitet. In einer Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) des Robert Koch-Instituts berichteten 17,3 % der Frauen und 15,1 % der Männer über Schmerzen im Kniegelenk.
Mit zunehmendem Alter nimmt das Gewebe nach und nach ab. Aber auch andere Auslöser wie Überlastung und Fehlbelastung durch Beruf, Sport oder Übergewicht spielen eine Rolle und resultieren oft in Kniebeschwerden.
Aufbau des Kniegelenks einfach erklärt
Das Knie ist ein funktionell komplexes Dreh-Scharniergelenk (Trochoginglymus), was bedeutet, dass es durch die Kombination aus Beugen, Strecken und kontrollierten Drehbewegungen eine vielseitige und zugleich stabile Mobilität ermöglicht.
Das Kniegelenk besteht dabei aus drei Teilgelenken:
- dem inneren Gelenk auf der Innenseite des Knies (mediales Femorotibialgelenk)
- dem äußeren Gelenk auf der Außenseite des Knies (laterales Femorotibialgelenk)
- dem Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkel (Femoropatellargelenk)
Umliegende Strukturen wie Knorpel, Menisken, Bänder und Muskeln stabilisieren das Knie und bieten den notwendigen Schutz bei Belastung.
Knorpel wirken hierbei vor allem als Stoßdämpfer auf die Gelenkflächen und ermöglichen eine reibungsarme Bewegung. Bänder wiederum halten das Knie zusammen und dienen der Beweglichkeit beim täglichen Laufen, Sitzen und Stehen. Die Gelenkkapsel produziert Gelenkflüssigkeit, die den Knorpel ernährt und das Gelenk geschmeidig hält. Pro Knie gibt es zudem zwei Menisken. Sie verteilen den Druck und sorgen für notwendige Stabilität.
Wo das Knie schmerzt und was das bedeutet
Wenn Beschwerden am Knie auftreten, liefert die Schmerzstelle erste wichtige Hinweise.
Vordere Knieschmerzen treten oft im Bereich der Kniescheibe auf und können sich beim Treppensteigen oder längeren Sitzen bemerkbar machen. Einer der häufigsten Ursachen ist hier die Überlastung der Patellasehne. Daneben können auch Knorpelveränderungen hinter der Kniescheibe Schmerzen im vorderen Bereich auslösen.
Innere Knieschmerzen hingegen deuten häufig auf den Innenmeniskus oder das Innenband hin. Äußere Knieschmerzen stehen meist mit dem Außenband in Verbindung und Schmerzen in der Kniekehle können unter anderem durch Zysten, Sehnenreizungen oder ausstrahlende Beschwerden entstehen.
Hinzu kommen begleitende Beschwerden wie Schwellung, Rötung oder Überwärmung, die ebenfalls ernst genommen werden sollten. Knacken oder Reiben im Gelenk sind außerdem oft ein Hinweis auf Knorpelveränderungen.
Wie Knieschmerzen diagnostiziert werden
Treten Knieschmerzen auf, sind Schmerzort, Dauer und Auslöser grundlegend im ärztlichen Gespräch. Mittels körperlicher Untersuchung werden dann Beweglichkeit, Stabilität und Schmerzpunkte geprüft und je nach Schwere bildgebende Verfahren unterstützend zur Diagnosestellung eingesetzt.
Da das Knie komplex aufgebaut ist, wird oft eine Magnetresonanztomographie (MRT) angeordnet. Sie bietet detaillierte Bilder und macht mögliche Schäden auch an Menisken, Bändern und Knorpel sichtbar.
Was bei Knieschmerzen helfen kann
Welche Maßnahmen gegen Knieschmerzen Sinn machen, hängt immer von der Ursache und Stärke der Beschwerden ab. Bei leichten Knieschmerzen hilft es, das Knie gezielt zu entlasten und dem Gelenk Zeit zur Erholung zu geben. Die PECH-Regel hat sich dabei als bewährte Orientierung etabliert:
- Pause
- Eis
- Compression
- Hochlagern
Ergänzend können schmerzlindernde und entzündungshemmende Arzneimittel unterstützen. Bandagen geben dem Knie zusätzliche Stabilität, indem sie das Sicherheitsgefühl im Alltag verbessern.
Häufig kommt bei Kniebeschwerden aber auch eine Physiotherapie infrage. Ziel der Therapie ist die Reduktion von Schmerzen und Schwellungen, Bewegungsverbesserung und ein gezielter Muskelaufbau, wobei vor allem die Oberschenkelmuskulatur im Fokus steht.
Reichen konservative Maßnahmen jedoch nicht aus oder liegen bereits Strukturschäden wie Meniskus- oder Bandverletzungen vor, kann eine operative Behandlung in Betracht gezogen werden.
Knieschmerzen im Alltag vorbeugen
Viele Knieschmerzen lassen sich vermeiden und bedürfen gerade wegen des hohen Verschleißrisikos des Knies einer gewissen Regelmäßigkeit.
Präventive Maßnahmen zur Erhaltung der Kniegesundheit im Überblick:
- regelmäßige Bewegung, z. B. durch gelenkschonende Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen
- passendes Schuhwerk mit guter Dämpfung und Einlagen bei Fehlstellungen
- gesundes Körpergewicht
- Aufwärmen vor Sport und Abwechslung im Training
Wann zum Arzt
Knieschmerzen sind ein wichtiges Warnsignal. Halten sie mehrere Tage an oder nehmen zu, sollte eine Abklärung beim Orthopäden erfolgen. Fieber oder starke Bewegungseinschränkung müssen dabei stets zeitnah ärztlich untersucht werden. Das gilt auch im Falle eines akuten Unfalls.








